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Zusammenfassung

Spätestens mit der Einführung des Bundeskinderschutzgesetzes haben standardisierte Risikoeinschätzungsinstrumente auch in Deutschland eine Ausweitung erfahren. Der Beitrag gibt einen kurzen Einblick in die disparate Landschaft der in Deutschland verwendeten Einschätzungsinstrumente. Auch wenn risikostatische Entscheidungsinstrumente (noch) nicht vorliegen, hat der vermehrte Einsatz standardisierter Einschätzungs- und Dokumentationsinstrumente im Kinderschutz das Potenzial, die lokale Fallpraxis nachhaltig zu beeinflussen. Mit der Einführung standardisierter Einschätzungsinstrumente ist die Hoffnung verbunden, sozialarbeiterische Einschätzungen über Risiken durch verbindliche Verfahren zu verbessern. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass die Anwendung von standardisierten Risikoeinschätzungsverfahren im Organisationshandeln sehr unterschiedliche Funktionen haben kann und lokale Fallpraxis in spezifischer Weise anleitet und strukturiert. Standardisierte Risikoeinschätzungsverfahren koppeln lokale Praxis stärker an organisatorische Vorgaben, beeinflussen durch ihre Konstruktionsweise die Sicht auf den Fall und reduzieren meist komplexe Fallverläufe in vermeintlich deskriptiv eindeutige Kategorien. Damit ist nicht zuletzt die Gefahr verbunden, dass sich die institutionelle Aufmerksamkeit von ko-produktiven Elementen der Leistungserbringung hin zu einem präventiven Managen von potenziellen Gefährdungsrisiken verschiebt.