Titelaufnahme
Titelaufnahme
- TitelEdmund Husserls Praxeologie und ethischer Normbegriff : das Grundmotiv der Rechtfertigung der ethischen Normativität in Husserls ethischem Denken / vorgelegt von June-sang Ahn aus Seoul, Südkorea
- Verfasser
- Gutachter
- Erschienen
- Umfang1 Online-Ressource (378 Seiten)
- HochschulschriftBergische Universität Wuppertal, Dissertation, 2023
- Verteidigung2023-09-04
- SpracheDeutsch
- DokumenttypDissertation
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Zusammenfassung
Diese Dissertation verfolgt Edmund Husserls ethisches Denken von seinen frühen Jahren bis zu seinen letzten, und versucht dabei, das kohärente Grundmotiv seiner gesamten ethischen Überlegungen zu verfolgen, das sich in diesem Prozess offenbart. In diesem Zusammenhang versucht diese Dissertation zunächst zu klären, dass Husserls ethisches Denken auf einen Blick keine kohärente und einheitliche Form zeigt, sondern eher sehr komplexe und vielschichtige Aspekte aufweist, die manchmal widersprüchlich erscheinen und nicht miteinander vereinbar zu sein scheinen. Diese vielschichtigen und manchmal widersprüchlichen Aspekte der Husserl‘schen Ethik entstehen jedoch durch den Versuch, mit Rücksicht auf verschiedene Aspekte des Skeptizismus gegenüber der ethischen Normativität, die in den Diskussionen über ethische Normativität aufkommen, die praktische Gültigkeit der ethischen Normativität zu verteidigen. Husserls Ethik kann daher genau an diesem Punkt hinsichtlich ihres einheitlichen Grundmotivs interpretiert werden, nämlich als Versuch der "Rechtfertigung der ethischen Normativität". In seinem frühen ethischen Denken versucht Husserl, durch rationale Überlegungen der praktischen Vernunft die Grundlage der rationalen Rechtfertigung der ethischen Normativität zu verschaffen. Diese Bemühungen stoßen jedoch auf die implizite Tendenz der passiven Habitualität, die im Hintergrund der rationalen praktischen Vernunft wirkt, und auf die fundamentale Relativität der lebensweltlichen Normen selbst. Aufgrund dieser Aspekte wird deutlich, dass eine absolute Rechtfertigung der ethischen Normativität nicht möglich ist. Gerade aus diesem Grund entwickelt sich Husserls frühe Ethik durch die transzendentale Phänomenologie zur Ethik der Erneuerung, der Ethik der Philosophinnen und Philosophen, die die transzendentale Grundlage der ethischen Normativität nicht anders als in der unendlichen teleologischen Bewegung der transzendentalen Subjektivität herausfindet. In seiner späten Ethik ist Husserl mit der fundamentalen Irrationalität des praktischen Lebens und das Problem der Liebesethik konfrontiert. Diese Problematik stellt Grenzprobleme in den Vordergrund, die die abstrakte Darlegung der unendlichen teleologischen Bewegung der transzendentalen Subjektivität nicht auflösen kann, und zeigt auf, dass die transzendentale Grundlage der ethischen Normativität nicht einfach auf abstrakter Ebene der philosophischen Bewegung liegt, sondern in den konkreten Situationen und Beziehungen zu anderen Personen zu finden sind. Dennoch versucht Husserl, die ethische Normativität der Liebe darauf zurückzuführen, dass sie auf dem urgegenwärtigen Feld der transzendentalen Faktizität beruht, das Ur-Instinkt, Ur-Affektion und Ur-Hyle ausmachen. Er versucht dabei zu zeigen, dass die Ethik der Liebe auf der transzendentalen Grundlage für ihre Rechtfertigung aufgebaut werden sollte, und argumentiert weiter, dass jede transzendentale Subjektivität durch die Teilnahme an dem universalen Willen der Liebe (d.h. dem göttlichen Willen) die unendliche teleologische Bewegung zum Tragen bringt, die alle individuellen Grenzen überschreitet. Trotz der oberflächlichen Irrationalität der ethischen Normativität, die durch die Liebesethik zum Ausdruck kommt, gibt Husserl schließlich nicht auf, die ethische Normativität durch die transzendentale Phänomenologie vernünftig zu rechtfertigen.
Abstract
This dissertation traces Edmund Husserl’s ethical thought from his early years to his final ones, seeking to follow the coherent underlying motive of his entire ethical reflection as it reveals itself through this process. In this context, the dissertation first attempts to clarify that Husserl’s ethical thought does not, at first glance, present a coherent or uniform structure; rather, it exhibits highly complex and multifaceted aspects that occasionally appear contradictory and seemingly irreconcilable. However, these multilayered and sometimes conflicting aspects of Husserlian ethics arise from the attempt to defend the practical validity of ethical normativity, while taking into account various forms of skepticism that emerge in discussions regarding such normativity. It is precisely at this point that Husserl’s ethics can be interpreted through its unified ground motive: namely, as an attempt at the "justification of ethical normativity." In his early ethical thought, Husserl attempts to provide a basis for the rational justification of ethical normativity through the rational considerations of practical reason. These efforts, however, encounter the implicit tendency of passive habituality operating in the background of rational practical reason, as well as the fundamental relativity of lifeworldly norms themselves. Due to these factors, it becomes clear that an absolute justification of ethical normativity is not possible in this manner. For this very reason, Husserl’s early ethics develops via transcendental phenomenology into an "ethics of renewal" - an ethics of philosophers - which locates the transcendental foundation of ethical normativity in nothing other than the infinite teleological movement of transcendental subjectivity. In his late ethics, Husserl is confronted with the fundamental irrationality of practical life and the problem of the ethics of love. This problematic brings "limit-problems" (Grenzprobleme) to the fore, which the abstract exposition of the infinite teleological movement of transcendental subjectivity cannot resolve. It demonstrates that the transcendental foundation of ethical normativity is not to be found simply on the abstract level of philosophical movement, but rather in concrete situations and relationships with other persons. Nevertheless, Husserl attempts to trace the ethical normativity of love back to its basis in the "proto-present" (urgegenwärtig) field of transcendental facticity, constituted by proto-instinct, proto-affection, and proto-hyle. In doing so, he seeks to show that the ethics of love should be constructed upon a transcendental foundation for its justification. He further argues that every transcendental subjectivity brings to fruition an infinite teleological movement that transcends all individual boundaries by participating in the universal will of love (i.e., the divine will). Despite the superficial irrationality of ethical normativity expressed through the ethics of love, Husserl ultimately does not abandon the task of rationally justifying ethical normativity through transcendental phenomenology.
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