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Abstract (German)

Mit der Verbreitung des Internets haben neben der traditionellen Partnersuche mittels face-to-face-Kontakt auch online-Kontakte an erheblicher Relevanz für die Partnersuche gewonnen. Letztere unterscheiden sich in der Art des Kennenlernens jedoch erheblich. Denn dieses findet mittels medial-schriftlichem Austausch statt und ist durch verstärkte Selbstoffenbarung in Form von Enthemmungseffekten gekennzeichnet. Diese Besonderheiten des medialen Austauschs sollten gemäß Altman und Taylors (1973; Altman, 1973) Social Penetration Theory zu einer schnelleren Beziehungsentwicklung und -intensivierung sowie einer stärkeren Interdependenz (wechselseitigen Beeinflussung) bei Paaren, die sich online kennengelernt haben, führen als bei Paaren, die sich face-to-face kennengelernt haben.

Zusammenfassend wird daher davon ausgegangen, dass online-initiierte Paarbeziehungen im Social-Penetration-Prozess weiter fortgeschritten sind, und dies Auswirkungen auf die verschiedenen Bereiche der Paarbeziehung (Beziehungszufriedenheit, Beziehungsqualität, Intimität, Leidenschaft, Vertrauen, Beziehungsstärke sowie die Interdependenz zwischen den Partnern hinsichtlich dieser Beziehungsmerkmale) hat. Diesbezüglich werden zudem geschlechtsspezifische Unterschiede erwartet, da auch andere Untersuchungen differente Beziehungskonzepte und Beurteilungen von Beziehungsmerkmalen zwischen Männer und Frauen aufzeigen.

Um die Interdependenz zwischen den Partnern in Form dyadischer Prozesse auch methodisch darzustellen, wurden im Rahmen dieser Dissertation nicht wie üblich Individuen, die eine Paarbeziehung führen, befragt, sondern Paare (n=130). Hierbei fand das Actor-Partner-Interdependence-Model mit Moderator (Garcia, Kenny & Ledermann, 2015) Verwendung, um so die Auswirkungen der Art des Kennenlernens auf die wechselseitige Beeinflussung zwischen den Partnern unter Berücksichtigung der fehlenden Unabhängigkeit der Daten darzustellen.

Insgesamt lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass Paare, die sich online kennengelernt haben, weiter fortgeschritten im Social-Penetration-Prozess sind und die Art des Kennenlernens folglich eine Determinante darstellt, die die Beziehungsmerkmale und -prozesse beeinflusst. So beurteilen Paare, die ihren Partner online kennengelernt haben, die Beziehungsmerkmale überwiegend positiver und zeigen teilweise eine höhere Interdependenz zum Partner als Paare, die sich face-to-face kennengelernt haben. Dabei nimmt die Dauer des Online-Kontaktes jedoch keinen Einfluss auf die Beziehungsmerkmale. Auch in Bezug auf geschlechtsspezifische Unterschiede in der Beurteilung der Beziehungsmerkmale zeigen sich keine eindeutigen Effekte.

Inhaltlich replizieren die Ergebnisse dieser Untersuchung den derzeitigen Forschungsstand, dass online initiierte Paarbeziehungen glücklicher sind (Cacioppo et al., 2013). Absolut betrachtet sind diese Effekte aber wie in anderen Arbeiten auch zu gering, um Online-Dating als die bessere Strategie zur Partnersuche zu deklarieren.

Neue Erkenntnisse ergeben sich zur geschlechtsspezifischen Verarbeitung beziehungsrelevanter Informationen. So gibt es deutliche Hinweise auf eine besondere Sensitivität von Frauen gegenüber beziehungsrelevanter Informationen und Prozesse, die durch die Art des Kennenlernens beeinflusst werden.

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