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Abstract (German)

Die Mobilität älterer Menschen wird aufgrund demografischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Entwicklungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Bei der Planung von Verkehrsräumen ist zu berücksichtigen: Ältere Menschen sind überdurchschnittlich häufig mit Einschränkungen konfrontiert, die Auswirkungen auf ihre Mobilität haben. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Beeinträchtigungen die Mobilität einschränken. Eine einzelne Beeinträchtigung muss dabei nicht immer den Schweregrad einer Behinderung erreichen; sie kann in ihrem Zusammenwirken mit anderen Beeinträchtigungen jedoch ähnliche Auswirkungen haben. Bei den Beeinträchtigungen handelt es sich um sensorische, körperliche und um kognitive Einschränkungen.

Die Gesetzgebung verlangt, dass die Bedürfnisse aller Menschen bei der Nutzung des Straßenraumes berücksichtigt werden. Die Behindertengleichstellungsgesetze auf Bundes- und auf Länderebene sowie die davon beeinflussten Gesetze fordern eine leichte und sichere Auffindbarkeit, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der gestalteten Lebensbereiche für alle Menschen. Zu den gestalteten Lebensbereichen gehören insbesondere bauliche und sonstige Anlagen, die Verkehrsinfrastruktur, Beförderungsmittel im Personen-nahverkehr, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen sowie Kommunikationseinrichtungen - also alle Rahmenbedingungen der Mobilität.

Ziel dieser Dissertationsschrift ist es, Handlungsempfehlungen in Form eines Planungsprozesses zu formulieren, wie generationengerechte Verkehrsplanung auf kommunaler Ebene durchgeführt werden kann. Dazu ist es allerdings notwendig, zunächst die Anforderungen älterer Menschen an die Verkehrsraumgestaltung und die Planung zu formulieren und den derzeitigen Stand der Planungskultur darzustellen.

Dazu wurde eine ausführliche Literaturrecherche durchgeführt, mithilfe welcher die heutigen und die für die Zukunft zu erwartenden gesellschaftlichen Entwicklungen und alltäglichen Mobilitätsbedürfnisse älterer Menschen ab 65 Jahren ermittelt wurden. Zudem wurden ältere Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und - soweit möglich - auch Nutzer des ÖPNV zu ihren Mobilitätsgewohnheiten und -wünschen sowie ihren Erfahrungen als Verkehrsteilnehmer befragt. Außerdem erfolgte eine Untersuchung ausgewählter Straßenräume mit der Frage, inwieweit sie den Mobilitätsbedürfnissen älterer Menschen entsprechen bzw. wo spezielle Probleme bei der Nutzung dieser Räume liegen. Alle Erhebungen fanden in drei Fallbeispielräumen in Nordrhein-Westfalen, die unterschiedliche Siedlungstypen repräsentieren, statt. Zusätzlich zu den subjektiven Bewertungen der älteren Verkehrsteilnehmer wurden in Form einer detaillierten Unfallanalyse auch die objektiv messbaren Bedingungen vor Ort überprüft.

Die Analyse des Status quo mit näherer Betrachtung derzeitiger Planungsprozesse zeigte, dass bei der Straßenplanung und beim Straßenbetrieb derzeit noch Wissen und Erfahrung fehlen, um generationengerechte Gestaltungslösungen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei mangelt es bereits an systematischen Methoden, die Planer und Entscheider dabei unterstützen, die konkreten Bedürfnisse der Zielgruppe zu ermitteln. Diese Methoden werden jedoch dringend benötigt, um das derzeitige Verkehrsangebot nachhaltig auf die zukünftige Situation einzurichten. Denn alleine aufgrund der demografischen Entwicklung sollte eine zukunftsfähige Planung verstärkt die Anforderungen älterer Menschen berücksichtigen. Zudem ist eine entsprechende Gestaltung des Verkehrsraums für 100 % der Nutzer komfortabel und kommt somit allen Menschen zugute.

Die Verfahren gegenwärtiger Verkehrsplanungsprozesse sind daher um neue Methoden mit dem Ziel zu erweitern, insbesondere die Belange älterer Verkehrsteilnehmer besser in den übergeordneten kommunalen Verkehrsplanungsprozess einzubinden. Dazu wird im Rahmen dieser Dissertation ein Verfahrensvorschlag entwickelt, der Methoden zu einer umfassenden Stärken-Schwächen-Analyse umfasst, daraus konkrete Maßnahmen zur Mobilitätssicherung älterer Menschen abzuleiten ermöglicht und eine Leitschnur für die Umsetzung der Maßnahmen in einem partizipativen Prozess vorgibt. Diese Form der Mobilitätssicherung älterer Menschen kann als eigenständiges Planwerk verwendet oder in Teilen in bestehende Verkehrsplanungsprozesse integriert werden.

Die vorliegende Dissertationsschrift beruht auf Teilergebnissen des Forschungsvorhabens „Mobilitätssicherung älterer Menschen im Straßenverkehr“, das im Auftrag der Eugen-Otto-Butz-Stiftung, Hilden vom Autor maßgeblich mit bearbeitet wurde. Das Vorhaben wurde in Kooperation mit NeumannConsult - Stadt und Regionalentwicklung/Design für Alle bearbeitet. Die Durchführung von Fokusrunden im Rahmen der Städteerhebungen wurde durch Dietmar Lucas, Verkehrspsychologe aus Münster, unterstützt.

Abstract (English)

The mobility of older people will become more important in the future due to demographic, societal and economic developments. Those planning transport areas should bear in mind that older people are faced with constraints impacting their mobility more often than other population groups. As people get older, it becomes more likely that their mobility will be limited by a range of impairments. A single impairment, on its own, may not be so severe as to be considered a disability. However, it may have similar effects to a disability when combined with other impairments. In this context, “impairments” should be understood to mean sensory, physical and cognitive limitations.

Legislation stipulates that the needs of all road users must be taken into account. The Equal Treatment for the Disabled Acts at federal and land level - and the laws influenced by these - specify that everyone should be able to locate, access and use facilities in all areas of life both safely and easily. These “facilities in all areas of life” include buildings and other installations, the transport infrastructure, public transport modes, technical equipment, information processing systems, audio and visual information sources and communication devices - in short, all the prerequisites for mobility.

This thesis aims to set out recommended actions in the form of a planning process for age-sensitive transport planning at municipal level. Before this can be done, older people’s requirements in relation to transport environment design and planning must be determined, and the current planning situation must be mapped.

To this end, an extensive survey of the relevant literature was conducted. This made it possible to pinpoint the everyday mobility needs of the over-65s and identify both current trends and possible future trends in this connection. In addition, older pedestrians, cyclists, drivers and, wherever possible, public transport users were asked about their mobility habits, their wishes as regards mobility and transport and their experiences as road users. Furthermore, selected traffic spaces were studied with a view to evaluating the extent to which they met the requirements of older people and identifying the specific problems linked with use of these spaces. All field research was conducted in three sample areas in North Rhine-Westphalia, which were representative of typical settlement types. A detailed accident analysis was also performed to provide objective, quantifiable information on local conditions, to be used as a complement to the subjective appraisals given by older road users.

Analysis of the current situation and closer examination of existing planning processes showed that there is still insufficient knowledge and experience in the domains of road planning and road management for age-sensitive design solutions to be developed and implemented. Besides, there is currently a lack of systematic methods for supporting planners and decision-makers in determining the specific requirements of older people. And yet such methods are urgently required if the present range of transport services is to be sustainably adapted to future needs. Demographic developments alone make it clear that future-oriented transport planning should be more geared towards meeting the requirements of older people. In addition, appropriately-designed transport environments are convenient for all users and therefore benefit everyone.

With this in mind, the procedures involved in current transport planning processes should be expanded to better integrate the needs of older road users into the overall municipal transport planning process. The process proposed in this thesis analyses methods based on their strengths and weaknesses, and the results of this analysis can be used to develop concrete measures for guaranteeing the mobility of older people. The process also sets out guidelines for implementing measures through a participatory procedure. It can be used as a plan in its own right, or can be incorporated into the relevant parts of existing transport planning processes.

This thesis is based on the partial results of the research project Mobilitätssicherung älterer Menschen im Straßenverkehr (Guaranteeing the mobility of older people on the roads), which was commissioned by the Eugen-Otto-Butz-Foundation and to which the author of this thesis made a significant contribution. The project was conducted in cooperation with Neumann Consult – Urban and Regional Development/Design for All Urban. Dietmar Lu-cas, who is a traffic psychologist in Münster, helped with data collection during field research for this thesis.

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