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Abstract (German)

Prolongierte Reizkonfrontation ist eine effektive Intervention für die Behandlung der Akuten Belastungsstörung (ASD). Diese Studie untersucht den Effekt von prolongierter Reizkonfrontation im Vergleich zur emotionalen Unterstützung bei akut Traumatisierten und bestimmt Prädiktoren für den Behandlungserfolg. Zusätzlich werden die ersten Belastungssymptome akut Traumatisierter erfasst. Es wird angenommen, dass die prolongierte Reizkonfrontation die ersten Belastungssymptome, die psychophysiologischen Angstreaktionen und die dysfunktionalen Kognitionen reduziert und somit die Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) verhindert.

Die Gruppe der akut Traumatisierten umfasste 64 Personen, die innerhalb von vier Wochen nach einem traumatischen Ereignis anhand standardisierter Diagnostik, Fragebogenverfahren, psychophysiologischer Reaktionen auf Bilder unterschiedlicher Affektkategorien, der Betrachtungsdauer und Bewertung dieser Bilder untersucht wurde. Im Anschluss daran wurden 48 der Probanden auf die Behandlungsgruppen randomisiert. Die Behandlungen bestanden entweder aus drei Sitzungen prolongierter Reizkonfrontation (RK) oder aus drei Sitzungen emotionaler Unterstützung (EU). Die Veränderungen durch die Therapie wurde in der Nachuntersuchung eine Woche nach der Behandlung und im Follow-up nach drei Monaten erhoben. Zusätzlich wurde die Untersuchung einmalig an 27 gesunden Kontrollprobanden durchgeführt, um die Reaktionen akut Traumatisierter von denen gesunder Personen abzugrenzen.

Traumaopfer berichten schon kurz nach dem traumatischen Ereignis ausgeprägte Belastungssymptome und zeigen eine deutliche Herzratenakzeleration auf traumarelevante Stimuli. In der Vermeidung der traumarelevanten Stimuli, erfasst über die Betrachtungsdauer, und der tonischen Aktivierung unterscheiden sich akut Traumatisierte kurz nach dem Trauma jedoch nicht von gesunden Kontrollprobanden. Sowohl prolongierte Reizkonfrontation als auch emotionale Unterstützung können die Symptome einer ASD effektiv reduzieren und die Entwicklung einer PTSD verhindern. Nach drei Monaten erfüllten insgesamt nur noch 8.7% der Probanden die Kriterien einer PTSD. Unterschiede zwischen den Behandlungen zeigen sich jedoch in der Veränderung der Betrachtungsdauer und der HRR auf traumarelevante Stimuli über die drei Messzeitpunkte hinweg. Die Personen, die sich nicht mit den traumarelevanten Reizen konfrontiert haben, vermeiden diese nach drei Monaten noch stärker. Zudem schenken sie ihnen bei bewusster Darbietung mit einer stärkeren Orientierungsreaktion der HR noch mehr Aufmerksamkeit, so dass eine unzureichende Verarbeitung und infolge dessen eine höhere Rückfallwahrscheinlichkeit vermutet wird. Weiterhin nehmen bei diesen Personen bis zum Follow-up die Ängstlichkeit (State-Angst) und die dysfunktionalen Schuldgedanken (PTCI) wieder zu.

Als Prädiktoren für den Behandlungserfolg konnte für beide Gruppen zusammen die Ausprägung der Intrusionen den Behandlungserfolg vorhersagen, wohingegen in der Reizkonfrontationsgruppe die Vermeidung und die Tage, die seit dem Trauma vergangen waren, als Prädiktoren identifiziert werden konnten. Bei den Personen, die zu Beginn ausgeprägtes Wiedererleben berichten, können die Symptome mit beiden Behandlungsformen effektiv behandelt werden. Steht ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten im Vordergrund sollte die Behandlung aus Reizkonfrontation bestehen und möglichst früh nach dem traumatischen Ereignis einsetzen.

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