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Abstract

Wohnumgebungen, die durch dichte Besiedlung, Nahversorgung und Fußwegenetze gekennzeichnet sind, werden als fußgänger\*innenfreundlich beschrieben und können das Bewegungsverhalten der Bewohner\*innen möglicherweise nachhaltig begünstigen. Aufgrund einer Fokussierung auf Studienteilnehmer\*innen im zweiten Lebensalter sowie kultureller Unterschiede in Städtebau und -gestaltung ist die Generalisierbarkeit vorliegender Erkenntnisse zur „Walkability“ allerdings noch limitiert. Zudem wird die Zusammenfassung des Forschungsstandes dadurch erschwert, dass zur Erfassung der Fußgänger\*innenfreundlichkeit unterschiedliche (subjektive und objektive) Erhebungsmethoden sowie unterschiedliche räumliche Definitionen der Wohnumgebung Anwendung finden. Die mögliche Sensitivität der Analysen geografischer Informationen sowie der Zusammenhänge mit körperlicher Aktivität gegenüber Veränderungen der räumlichen Bezugsgröße wird hingegen selten geprüft.<br />

Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit den Zusammenhang zwischen der Fußgänger\*innenfreundlichkeit der Wohnumgebung und körperlicher Aktivität in einer historisch gewachsenen Großstadt in Deutschland, mit einem Fokus auf das dritte Lebensalter und unter Berücksichtigung subjektiver und objektiver Erhebungsmethoden sowie unterschiedlicher räumlicher Definitionen der Wohnumgebung. In einem ersten Schritt werden bevölkerungsrepräsentative Daten zum aktiven Transport (n = 2.867) und amtliche geografische Informationen zur objektiven Fußgänger\*innenfreundlichkeit in den statistischen Bezirken der Stadt Bielefeld herangezogen. Die Ergebnisse der Mehrebenenanalyse belegen den Zusammenhang zwischen Selbstangaben zum aktiven Transport und der objektiven Fußgänger\*innenfreundlichkeit für diese räumliche Definition der Wohnumgebung. Sie weisen zusätzlich auf Wechselwirkungen mit dem Alter der Bewohner\*innen sowie mit der Verfügbarkeit von Kraftfahrzeugen hin. <br /> Im zweiten Schritt wird der Zusammenhang zwischen der objektiven Fußgänger\*innenfreundlichkeit und dem selbstberichteten Gehen darüber hinaus für unterschiedliche räumliche Definitionen der Wohnumgebung bestätigt. Die Untersuchungsergebnisse aus einer Ad-hoc-Stichprobe zum dritten Lebensalter (≥ 60 Jahre; n = 65) weisen darauf hin, dass der Effekt sensitiv gegenüber der räumlichen Definition der Wohnumgebung ist und bestehende Abweichungen zwischen objektiven Gegebenheiten und subjektiven Wahrnehmungen durch unterschiedliche räumliche Bezüge mitverursacht sein können. Zu den methodischen Implikationen der Studie zählt daher, mögliche Expositionsgebiete sorgfältig mit räumlichen Bezügen des untersuchten Outcomes abzugleichen.<br /> Im Hauptergebnis tragen beide Analysen zur Generalisierbarkeit der vorliegenden Evidenz zum Zusammenhang zwischen der Fußgänger\*innenfreundlichkeit der Wohnumgebung und körperlicher Aktivität auf den mitteleuropäischen Kontext und die Altersgruppe ab 60 Jahren bei. Sie unterstützen damit städtebaulich-gestalterische Planungsleitsätze zur Förderung körperlicher Aktivität und helfen, methodische Unterschiede in der Erfassung der Determinante einzuschätzen.