TY - THES A3 - Schulte, Carsten A3 - Buhl, Heike M. A3 - Barendsen, Erik AB - Technische Artefakte besitzen eine duale Natur: Sie haben sowohl eine physische Struktur, als erfüllen sie auch Funktionen im Dienst menschlicher Absichten. Die Technikphilosophie argumentiert, dass ein angemessenes Verständnis solcher Artefakte die Erfassung dieser beiden Seiten und deren Verbindung erfordert. Bislang fehlt es an empirischer Forschung dazu, ob und wie Menschen dies in der Tat bewältigen, wenn sie einander Artefakte erklären. Die vorliegende Dissertation untersucht alltägliche Face-to-face-Erklärungen eines technischen Artefakts, des Brettspiels Quarto, anhand von vier kumulativen Building Blocks (BB1–BB4). Den analytischen Rahmen bildet das im Rahmentext entwickelte Co-Constructive Dual Nature Framework, das zwei Perspektiven auf das Artefakt unterscheidet: Architecture (wie es funktioniert) und Relevance (wozu es dient). Ihre Auswirkungen auf den Erklärungsprozess werden entlang dreier Kriterien theoretisch beschrieben: das Kriterium der dualen Perspektive untermauert die Notwendigkeit, beide Perspektiven zu adressieren; das kollaborative Kriterium untermauert die ko-konstruktiven Dynamiken zwischen Erklärendem und Adressaten; und das kognitive Kriterium untermauert, welche epistemischen Haltungen der Perspektivenwahl zugrunde liegen. BB1 etabliert die Segmentierung nach Intonationsphrasen als reliable Transkriptionsgrundlage für die qualitative Kodierung von Äußerungen, die die duale Natur im Erklärungsinhalt adressieren. BB2 dokumentiert ein robustes Architecture-dominantes Muster in naturalistischen Erklärungen, bei dem Erklärende etwa 60–70% Architecture-Inhalte produzieren und diese als Voraussetzung für Relevance auslegen. BB3 zeigt, dass dieses Muster auch unter systematischem ko-konstruktivem Einfluss von Explainees bestehen bleibt, die etwa Relevance-Interesse signalisieren, jedoch findet teilweise eine Anpassung statt. BB4 prüft letztlich den Effekt des Erkläransatzes auf das Verständnis der Rezipienten: Architecture-fokussierte und Relevance-fokussierte Erklärungen führen zu vergleichbarer Comprehension, doch nur integrierte Erklärungen, die beide Perspektiven verbinden, erzielen signifikant höhere Enabledness. Also genau jene Form des Verstehens, die in Einklang mit Comprehension dann auch kompetentes Handeln mit dem Artefakt ermöglicht. Der zentrale Befund ist eine Spannung zwischen erklärerischem Standard und erklärerischem Bedarf: Genau der Ansatz, der Enabledness erzeugt und damit das tiefste Verständnis ermöglicht, erfordert die Integration beider Perspektiven. In den naturalistischen Erklärungen (BB2) ist dies aber nicht zuverlässig passiert. Diese Spannung hat Konsequenzen für die Informatik- und Technikdidaktik, in der Curricula, die Architecture von Relevance trennen, Gefahr laufen, das integrative Verständnis nicht hinreichend zu fördern und Bildungszielen wie Mündigkeit nicht gerecht zu werden. Aber auch der Bereich von Explainable AI ist betroffen, wenn beispielsweise Feature-Importances genutzt werden, um Erklärungen mit Counterfactuals zu generieren. Diese unterstützen dann zwar die Comprehension, nicht aber die häufig so notwendige Handlungsfähigkeit der Personen, die mithilfe der Erklärung mit solchen intransparenten, aber folgenreichen Systemen interagieren. AU - Terfloth, Lutz CY - Paderborn DO - 10.17619/UNIPB/1-2680 DP - Universität Paderborn LA - eng N1 - Tag der Verteidigung: 24.07.2026 N1 - Universität Paderborn, Dissertation, 2026 PB - Universität Paderborn PY - 2026 SP - 1 Online-Ressource (295 Seiten) : Diagramme, Illustrationen T2 - Institut für Informatik TI - Between how it works and what it's for: an analysis of everyday explanations of a technical artifact UR - https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:466:2-59178 Y2 - 2026-09-17T05:02:38 ER -