<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001413-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Fritz Mauthner</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Meersburg</placeName>, <date>11.1.1921</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., mit eU)</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 8 h, Nr. 8</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1413" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001413-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118579304">Fritz Mauthner</persName><placeName>Meersburg</placeName><date when="1921-01-11">11.1.1921</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532847">Johann Gottlieb</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119059479">Friedrich Carl Forberg</name><name>Hedwig Silles-O’Cunningham</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 8 h, Nr. 8</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Fritz Mauthner</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Meersburg</placeName>, <date>11.1.1921</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., mit eU)</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 8 h, Nr. 8</bibl></head></front><body><dateline>Meersburg (Bodensee) den 11.1.21.</dateline><salute>Verehrter Herr Geheimrat,</salute><p>Es sollte mich beschämen, daß ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-7"/>Ihr so überaus freundliches Vertrauen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-7"/> nicht einmal mit Pünktlichkeit erwidert habe. Vielleicht entschuldigen Sie mich, wenn ich folgende Tatsachen ganz kurz anführe. Unmittelbar nach Abschluß des 2. Bandes Atheismus <hi rend="underline">mußte</hi> ich mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-8"/>meiner Frau<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-8"/> nach Wien und Prag fahren, in Familiensachen. In Prag erkrankte meine Frau heftig, wir mußten viel länger ausbleiben, als ich geplant hatte; nach Weihnachten erst heimgekehrt <pb/> erkrankte ich selbst, an Erschöpfung der Nerven. Erst seit wenigen Tagen konnte ich die reizvolle Arbeit am Atheismusstreit <name>Fichte</name>s wieder aufnehmen und hoffe, binnen acht Tagen zu Ende zu kommen. Auf alle Fälle werde ich die gütigst geliehenen 35 Broschüren – mit Ihrer Erlaubnis um eine vermehrt – bestimmt bis zum 25. d<add>[es]</add> M<add>[onats]</add> unter den gewünschten Kautelen zurücksenden. Sie hatten mir damals in Aussicht gestellt, die Bücher auch etwas länger behalten zu können; ich hatte vergessen, daß das erst nach vorhergehender Anfrage geschehen durfte.</p><p>Es tut mir leid, daß ich meinen alten Alsob-Aufsatz <pb/> fast unverändert abdrucken ließ; ich hätte über <name>Kant</name>-<name>Forberg</name> und Vaihinger mehr zu sagen gehabt, was aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-9"/>im dritten Bande meines Atheismus<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-9"/> an der gehörigen Stelle stehen wird.</p><p>Wieder zu danken habe ich Ihnen für das angekündigte Bild und ähnlich für die intime Mitteilung über Ihre Tochter, die Künstlerin. Ich wußte in meiner Einsiedelei durchaus nichts von alledem. Unter den bereiten Papieren zu meinem dritten Bande findet sich auch eine Ausführung über die Neigung zum Freitod als einem Symptom des neuen Geschlechts, das den Jenseitsglauben als Hemmung nicht mehr kennt. Ich werde allerdings viele hundert Blätter meiner Handschrift tilgen müssen, damit mein dritter Band nicht übermäßig <pb/> anschwillt. Sollte dieses Stück aber Raum finden, so würde ich seiner Zeit so zudringlich sein, bei Ihnen anzufragen, ob Ihre Tochter Äußerungen hinterlassen hat, die mich berechtigten und verpflichteten, ihr in meiner Geschichte einen ganz bescheidenen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-10"/>Denkstein zu setzen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-10"/>.</p><p>In ausgezeichneter Hochachtung mit herzlich ergebenen Grüßen Ihr</p><signed>Mauthner</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-7"><lem>Ihr so überaus freundliches Vertrauen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Mauthner vom 9.1.1921</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-8"><lem>meiner Frau</lem><note>in 2. Ehe (1910) <name>Hedwig Silles-O’Cunningham</name>, Ärztin und Schriftstellerin, mit Pseudonym Harriet Straub (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-9"><lem>im dritten Bande meines Atheismus</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Mauthner an Vaihinger vom 16.4.1920</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-10"><lem>Denkstein zu setzen</lem><note>kam nicht zur Ausführung</note></app></listApp></back></text></TEI>